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Sex-Therapie spezial: "Hilfe, meine Löwin will jede halbe Stunde!"

Ein Sex-Ratgeber für hilfesuchende Tiere? Biologin Olivia Judson klärt in ihrem Buch nicht nur Elefanten, Makis und Löwen auf...



Pavian-Penis
Picture by T. Micke

Wenn Tiere wirklich sprechen könnten, dann wäre Dr. Olivia Judsons "Arzt-Praxis" wahrscheinlich täglich randvoll mit schockierten Elefanten, verzweifelten Hyänen, betrogenen Meerasseln, notgeilen Schimpansen und beschämten Schildkröten.

Die britische Evolutionsbiologin und mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftsjournalistin hat aber nur, gewissermaßen als "Gerti Senger der Tierwelt" ein ebenso entzückendes, wie oft durchaus auch schockierendes Buch über die erstaunlichen Sexualpraktiken im Tierreich geschrieben. Als "Dr. Tatiana" gibt sie in ihren ganz persönlichen "Leserbrief"-Antworten Tatiana an impotente Löwen und frigide Stabheuschrecken vor, die Tiere aufzuklären, ihnen anhand von Beispielen anderer Vierbeiner Tipps und Tricks beizubringen, betreibt aber natürlich auf äußerst unterhaltsame Weise Menschen-Aufklärung was seine nächsten und etwas entfernteren Verwandten betrifft.

Kopfschüttelnd nimmt man zur Kenntnis, was manche Lebewesen aufführen (müssen), um Nachwuchs zu zeugen. Aber die locker aufbereiteten Tiersex-Anekdoten beruhen auf dem aktuellen Wissensstand der Forschung. Das belegt auch das eindrucksvolle, 47 Seiten umfassende Quellenverzeichnis am Ende des Buchs.

Anbei einige stark gekürzte Rezensions-Kostproben aus "Die raffinierten Sexpraktiken der Tiere" (erschienen im Heyne Verlag, ISBN 3-453-86923-0, zu bestellen hier).


Das ultimative Tiersex-Buch
Picture by Heyne

Liebe Dr. Tatiana,

ich heiße Twiggy und bin eine Stabheuschrecke. Es ist mir sehr peinlich, dass ich Ihnen schreibe, während ich mich paare, aber mein Partner und ich kopulieren nun schon seit zehn Wochen. Ich bin total genervt, aber er lässt noch kein Zeichen vom Ermattung erkennen. Er sagt, er liebe mich halt sehr, aber ich glaube, er ist einfach verrückt. Was kann ich tun, damit er von mir ablässt?

Zehn Wochen! Ich kann verstehen, dass Sie die Nase voll haben. Doch Ihr Verdacht, Twiggy, stimmt nur zur Hälfte. Ihr Geliebter ist verrückt, aber nicht vor Liebe, sondern vor Eifersucht. Dadurch, dass er sich ununterbrochen mit Ihnen paart, hat er die Garantie, dass kein anderer die Möglichkeit hat, Ihnen nahe zu kommen. Gut, dass er nur halb so lang ist wie Sie, da lastet er nicht so schwer auf Ihnen, wenn Sie ihn mit sich herumtragen...


Liebe Tatiana,

mein Freund ist der hübscheste Bärenmaki, den ich je gesehen habe. Er hat wunderschönes goldenes Fell auf dem Rücken und cremefarbenes Fell auf dem Bauch. Er riecht wunderbar und hat die zierlichsten Hände und Füße, die Sie sich vorstellen können. Nur eines befremdet mich. Bitte sagen Sie mir, Dr. Tatiana, warum ist sein Penis mit so riesigen Stacheln bewehrt?

Damit er Sie besser kitzeln kann, meine Liebe. Jedenfalls möchte ich wetten, dass das ein wesentlicher Grund ist. Wenn Sie Ihre Vettern, die Galagos, ansehen, werden Sie feststellen, dass Ihr Liebster kein Einzelfall ist. Galagos und viele andere Primaten haben monströse Penisse von denen viele aussehen wie Folterinstrumente. Bei Primaten und Insekten gilt die Faustregel, dass in Arten bei denen das Weibchen jeweils nur mit einem Männchen Umgang haben, die Penisse klein und uninteressant sind. Daher nehme ich an, dass der Penis Ihres Gefährten so prachtvoll mit Stacheln bestückt ist, weil die Weibchen des Bärenmaki gern einmal fremdgehen...


Liebe Dr. Tatiana,

meine Löwin ist eine Nymphomanin. Jedes Mal, wenn sie in Brunst ist, will sie vier oder fünf Tage und Nächte hindurch alle halbe Stunde Sex haben. Ich bin völlig geschafft aber ich möchte nicht, dass sie es merkt. Können Sie mir irgendwelche Mittel zur Steigerung der Leistungsfähigkeit empfehlen?

Solche Mittel gibt es, aber sie sind leider noch nicht für Löwen genehmigt. Und im Übrigen sollten Sie sich schämen. Ein starker, großer Löwe wie Sie müsste es doch eigentlich ohne derartige Hilfsmittel schaffen. Ich habe schon von Löwen gehört, die 157 Mal in 55 Stunden zwei verschiedene Weibchen begattet haben. Ehrlich !


Liebe Dr. Tatiana,

ich heiße Vikram und bin ein Hindublatthühnchen und gehöre zu einem Harem. Das Nest habe ich gebaut und alles aufs Beste vorbereitet, aber mein Wibchen schenkt mir weder Aufmerksamkeit noch EIer zum Bebrüten. Was mache ich falsch?

Sprechen Sie lauter, rufen Sie, schreien Sie, bis Sie heiser sind. Anders können Sie die Aufmerksamkeit eines weiblichen Hindublatthühnchens nicht auf sich lenken, während es auf eleganten Krallen über cSeerosenblätter schreitet. Schließlich ist eine solche Dame ein viel beschäftigter Vogel. Sie hat ein Territorium zu verteidigen, sich mit anderen Männchen zu paaren, Eier zu legen. Sie werden schwerlich an Ihr Ziel kommen, wenn Sie Trübsal blasen Sie müssen sich schon Gehör verschaffen...


Liebe Dr. Tatiana,

ich möchte gern anonym bleiben, denn es geht in meinem Brief nicht um mich oder meine Art, sondern um meine lärmenden Nachbarn einen Trupp Schimpansen. Wenn bei denen die Mädchen in Brunst kommen, hebt ein Treiben an, das ein Straßenmädchen zum Erröten bringen könnte. Gestern habe ich gesehen, wie sich ein Mädel in 15 Minuten mit acht verschiedenen Kerlen verlustiert hat.

Die ungewöhnliche Promiskuität weiblicher Schimpansen hat viele Wissenschaftler fasziniert, doch um ehrlich zu sein, wir wissen nicht, warum sie es gar so hemmungslos treiben. Ich schlage Ihnen vor, wenn Ihre biologischen Verhältnisse es erlauben, in eine Gegend zu ziehen, wo Sie in angenehmerer Nachbarschaft leben.


Liebe Dr. Tatiana,

vielleicht können Sie mir helfen. Ich weiß nicht, wie mir geschieht. Ich bin ein Afrikanischer Elefant und 27 Jahre alt. Früher fand ich großes Vergnügen an einer Dusche in einem Wasserloch und anderen harmlosen Unterhaltungen. Doch die Freude ist aus meinem Leben geschwunden. Ständig bin ich wütend wenn ich einen anderen Elefantenbullen sehe, möchte ich ihn am liebsten umbrginen. und ich bin vollkommen sexbesessen. Nacht für Nacht habe ich erotische Träume und der Anblick einer Elefantenkuh bringt mich völlig aus der Fassung. Aber das Schlimmste habe ich noch gar nicht verraten: Mein Penis ist grün gefärbt. Bin ich krank?

Unkontrollierbare Aggression, sexuelle Obsession klingt höchst normal für einen Burschen Ende zwanzig. Elefantenbullen ist nur zu bestimmten Jahreszeiten nach Kämpfen zumute, wenn sie von einem Hormongewitter gebeutelt werden, das man Musth nennt. Befindet sich ein Bulle in Musth. steigt sein Testosteronspiegel auf das Fünffache des normalen Wertes. Männchen in Musth lassen ständig Tropfen stark riechenden Urins fallen das ist der Grund, warum der Penis diese unglückliche Färbung annimmt.


Liebe Dr. Tatiana,

ich bin eine Meerassel Paracerceis sculpta und habe vor kurzem einen Kampf um eine Schwammzelle gewonnen, in dem ein Harem hübscher Mädchen haust. Doch allmählich gewinne ich den Eindruck, dass einige der Mädchen nicht das sind, was sie vorgeben zu sein: Manche sehen aus wie verkleidete Männer. Leide ich unter Verfolgungswahn?

Einige männliche Meerasseln sehen den Mädels Ihrer Art schon verflixt ähnlich. Nehmen Sie nur die Größe. Während Sie wahrscheinlich doppelt so groß sind wie ein Weibchen, haben diese Männchen die gleiche Größe wie die Mädels. Auch haben diese Männchen nur kleine, zarte Uropoden, genau wie die Weibchen. In dieser Verkleidung schmuggeln sich solche Männchen häufig in Harems ein...


Liebe Dr. Tatiana,

mein Sohn ist ein prachtvoller Nagel-Manati und ich bin sehr stolz auf ihn. Allerdings gibt es ein Problem. Ständig knutscht er mit anderen Männchen. Was kann ich tun, um ihn auf Vordermann zu bringen?

Nicht Ihr Sohn muss auf Vordermann gebracht werden, sondern Sie. Ein gewisses Maß an homosexueller Praxis ist bei Tieren aller Arten anzutreffen. Der Amazonas-Delphin geht gelegentlich noch weiter und penetriert das Nasenloch eines anderen Delphins. Daher würde ich mir wegen ein bisschen Küsserei keine Gedanken machen...


Liebe Dr. Tatiana,

ich bin eine Tüpfelhyäne, ein Mädchen. Das Unglück ist nur, dass ich einen großen Phallus habe. Ich kann den EIndruck nicht loswerden, dass das wenig damenhaft ist. Was stimmt nicht mit mir? Lässt sich irgendetwas dagegen tun?

Niemand erwartet von Hyänen, dass sie damenhaft sind. Die Weibchen der Tüpfelhyäne sind größer und schwerer als die Männchen. Äußerlich sehen die weiblichen und männlichen Genitalien so ähnlich aus, dass man die Tüpfelhyäne lange Zeit für einen Zwitter gehalten hat. Doch beim Weibchen ist das, was wie ein Phallus aussieht, in Wahrheit eine enorm vergrößerte Klitoris...




Liebe Dr. Tatiana,

ich bin eine europäische Gottesanbeterin, und ich habe festgestellt, dss mir der Sex mehr Spaß macht, wenn ich meinen Liebhabern zunächst den Kopf abbeiße. Nachdem ich sie geköpft habe, geraten sie in höchst aufregende Zuckungen. Irgendwie scheint sie das hemmungsloser, gieriger zu machen es ist einfach toll. Finden Sie das auch?

Kannibalismus ist nicht mein Ding. Doch ich kann schon verstehen, warum es Ihnen gefällt. Männchen Ihrer Art sind langweilige Liebhaber. Durch Köpfen kann man da Wunder bewirken. Das Männchen der Gottesanbeterin ist bei der Annäherung und beim Fortgehen in Gefahr von Ihnen getötet zu werden, doch solange es sich auf Ihrem Rücken befindet in der Position, in der intakte Männchen Sex haben , können Sie es nicht angreifen. Es muss jedoch keineswegs intakt sein, damit Sie Ihren Spaß haben. Wenn Sie ihm bei der Annäherung den Kopf abreißen, verfällt sein Körper in Zuckungen, die seinen Genitalien ermöglichen, Kontakt mit den Ihren herzustellen. Verständlicherweise hat er allerdings etwas dagegen, seinen Kopf herzugeben. Aber einmal auf ihrem Rücken, könnten er Sie völlig unbehelligt begatten. Doch ein einziger falscher Schritt und er stehen mit dem Kopf unterm Arm vorm Himmelstor...



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© Eine Rezension von T. Micke (15-02-04) – Kontakt