Die Nachlese

Ein Stadtmensch als Viehhirte – Eine 13-teilige Serie für Aussteiger und Träumer

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Alm-Tagebuch: Zwei echte Charakterschweine

Ferkelhimmel auf Erden: Wie zwei gar nicht faule Schweine auf der Alm unseres viehhütenden Redakteurs Milch und frischen Kuhmist genießen.


"Saugt das Ferkel an der Kuh,
war wohl nicht der Milchhahn zu..."

Schweine beim 100-Meter-Sprint
Picture by Olivia Fuchs

Träge, ein bisserl dumm und vor allem langweilig: So hatte ich Schweine immer in Erinnerung aus der Kindheit vom Urlaub am Bauernhof. Irgendwann habe ich dann gelesen, dass Schweine sehr intelligent sind und sogar zu komplizierten Kunststücken dressiert werden können. Vorstellen konnte ich mir das allerdings nicht. Seit ein paar Tagen haben wir selber zwei Ferkel. Hermann und Werner heißen sie, wiegen je 50 Kilo und sind alles andere als träge und dumm. Wir haben sie einem Bauern im Tal abgekauft. Auf diese Weise finden unsere Küchenabfälle noch begeisterten Anklang und auch die überschüssige Milch – unsere Hauskuh Ringale gibt immerhin knapp 10 Liter am Tag – kommt zu einer guten Verwendung.

Wenn Hermann und Werner die Almwiese hinunter schweinsgaloppieren, könnte man meinen, sie heben jeden Moment ab mit ihren Segelohren: Rosa Ferkelhintern und wippende Riesenlauscher im hohen, grünen Gras. Ja natürlich: Das erinnert stark an die lustige Fernsehwerbung – und wir können uns vor Lachen kaum noch halten. Nichts scheint für die beiden schöner zu sein, als in den Ampferstauden rund um unsere Berghütte Fangen zu spielen. Im Stall faulenzend – so sagte man uns – würden die beiden schneller Gewicht zulegen, aber wir wollen bei unserem Viehhüter-Job ja nicht zu Nebenerwerbsbauern werden, sondern mit den neuen Haustieren nur das Nützliche mit dem Spaßigen verbinden. Deshalb dürfen sich Hermann und Werner – mit einem kleinen Glöckchen versehen – tagsüber ein paar Stunden auf der Wiese austoben.

Unglaublich aber hiermit bewiesen: Unser Ferkel bedient sich an der Milchbar der Kuh
Picture by Olivia Fuchs

Was für freche Charakterschweine wir uns da eingehandelt haben, stellt sich aber erst nach ein paar Tagen heraus. Werner hat ein himmelblaues und ein braunes Auge und ist etwas kleiner, aber der Erste, der sich nach scheuer Annäherung mit seiner "Schnüffel-Steckdose" wohlig grunzend die Flanken kratzen lässt. Nach zwei Minuten legt er sich vor mir ins Stroh, dreht sich auf den Rücken wie ein Schoßhund, schließt die Augen und will am Bauch gekrault werden. Scheint, als hätten wir uns beide schnell ins Herz geschlossen. Hermann ist kratzbürstiger. Er schubst und rempelt – am liebsten, wenn man nicht hinsieht – und ist auch der Erste, der sich auf ein Duell mit unserer Milchkuh einlässt, nur, um sich zwischen den mächtigen Rinderklauen im frischen Mist zu suhlen.

Hermann und Werner sind schnell genug, um den Hörnern auszuweichen, und offenbar schlau genug, um herauszufinden, dass hier eine zusätzliche Milchquelle versteckt zu sein scheint. Aber als Werner allen Ernstes glaubt, er könnte sich unserer Milchkuh für einen kleinen Gratis-Drink als Kälbchen verkaufen und sie in eine ihrer Zitzen zwickt, verpasst ihm Ringa einen ordentlichen Fußtritt. Man lässt sich halt auch als Kuh nicht gern für einen Esel halten.


< Lesen Sie in Teil VI dieser Serie: Frustbutter und Zauberkäse

© Eine Reportage von T. Micke (16-07-06) – Kontakt