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Drei Monate ohne Strom. Heißwasser zum Duschen nur nach dem Holzhacken. Zweimal täglich die Milchkuh händisch melken, 73 übermütige Jungrinder davon abhalten, nach Italien auszuwandern, ein Kalb zur Welt bringen und den Landwirten im Gailtaler Örtchen Rattendorf beweisen, dass auch ein Stadtmensch mit viel Einsatz den verantwortungsvollen Job eines Viehhirten bewältigen kann. Das war in der Kurzversion mein Sommer auf einer abgelegenen Kärntner Alm, den ich in den vergangenen Wochen in unserer Serie beschreiben durfte.
Das Vieh ist jetzt wieder im Tal. Zu meiner Freude alle wohlauf und fit. Und wenn meine Mädels erzählen könnten, wären bestimmt einige haarsträubende Abenteuer dabei, die ich nur vermuten konnte, wenn ich nach ihren Vollmondpartys in steilen Waldschluchten kleinere Verletzungen behandeln oder verirrte Ausreißer zurück zur Herde führen musste.
Und selbst? Auch ich war noch nie so fit nach täglich bis zu dreistündigen Wanderungen zu meinen Schützlingen. Zwei paar Bergschuhe sind draufgegangen durch andauerndes Querfeldeingehen bei jedem Wetter. Abgenommen habe ich. Schwielen an den Händen würden jede Hellseherin in die Irre führen, die versucht, meinen Beruf zu erraten. Aber die größte Veränderung hat sich im Kopf abgespielt: Der Perfektionist in mir, der "Abwarten" nicht kennt und immer die Kontrolle über mein Leben will, musste sich dank 73 eigenwilliger Rindviecher schnell verabschieden. Und mitten ins alltägliche Kuh-Chaos schlich sich mit der Routine auch die Ruhe ein, die ich so erhofft hatte.
Meine Kühe nur noch rufen zu müssen, zwischen ihnen zu sitzen, akzeptiert wie einer von ihnen, dem Glockenspiel zu lauschen, wenn im Halbschlaf beim Wiederkäuen nur leises Bimmeln zu hören ist. Das war schon einzigartig. Wie die Gewitter, die manchmal um die Hütte tobten und spannender waren als jeder TV-Krimi. Oder die Abende mit Hans und Christoph, meinen "Almmeistern", die mir dann zur Seite standen, wenn ich nicht mehr weiter wusste (zum Glück gab es ein Handy).
Jedes Ende ist schwer. Und so wollte ich mich von den "Mädels" wenigstens mit Stil verabschieden, zog deshalb nur für sie meinen besten Anzug an beim letzten Salzgeben und Durchzählen. Nur: Die Damen erkannten mich anfangs nicht in der Verkleidung. Erst die vertraute Viehhüter-Stimme löste die übliche stürmische Begeisterung aus. Der Anzug hat dann ein wenig gelitten in der Abschiedsszene. Aber das war es wert.
Jetzt hat mich die Stadt mit ihrem hohen Tempo wieder. Aber noch wirkt die Alm: Wütend hupende Autofahrer in der Herde – Pardon – im Stau nehme ich nicht mehr ernst. Und wenn ich mir selbst zu viel aufhalse, frage ich mich öfter, ob das eine oder andere wirklich sein muss. Wenn ich jetzt im Supermarkt zum (Bio-)Käse greife, weiß ich genau, wie viel Arbeit in dem höheren Preis steckt. Und ich bin gespannt, wann ich beim Aufdrehen der Dusche nicht mehr über "vollautomatisches" Heißwasser staune, statt fernzusehen lieber glücklich der Waschmaschine zusehe und ein Einkaufszentrum erlebe wie eine außerirdische Welt.
PS: Beinahe hätte ich dem Bauern das Kälbchen Rosa abgekauft. Aber dann habe ich mir vorgestellt, wie in zwei Jahren eine ausgewachsene Kuh auf der Donauinsel auf all die Dackelbesitzer wirken muss und habs schweren Herzens bleiben lassen...
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